urbanRadeling

Für eine fahrradfreundliche Stadt!

  • Große Anteilnahme

    Große Anteilnahme

    Trotz des nasskalten Wetters mit zunehmendem Regen waren 60 (!) Fahrradfahrende gekommen – so viele wie noch bei keinem anderem Ghostbike-Korso zuvor. Das könnte auf ein zunehmendes Interesse der Bevölkerung für das Thema hinweisen. Ein großer Dank an dieser Stelle der Polizei und dem Ordnungsamt Bochum für die unbürokratische und verständnisvolle Genehmigung der Veranstaltung und das gute Zusammenwirken.
    Marek Nierychlo vom Radentscheid wies in seiner Rede darauf hin, dass es nicht darum ginge, Schuldige zu suchen und zu verurteilen. Fahrradunfälle seien ein strukturelles Problem, wenn die verkehrstechnische Infrastruktur keine menschlichen Fehlleistungen berücksichtigen würde. Es sei zweckmäßig, zur kurzfristigen Verbesserung der Situation der Radfahrenden unkonventionelle Wege zu beschreiten wie die Einrichtung von Pop-Up-Radwegen.
    Gerlinde Ginzel als 1. Vorsitzende des ADFC zielte in ihrer Ansprache darauf ab, dass die Bochumer Stadtverwaltung neueste Studienergebnisse zur Verbesserung des Radwegenetzes berücksichtigen möge. So würde ein Radwegstreifen zwischen einer vielbefahrenen Straße und Kfz-Parkplätzen nicht mehr den neuesten Erkenntnissen einer zeitgemäßen Radwegeplanung entsprechen.
    Hoffen wir, dass dies der einzige Unfalltod eines Radfahrenden in 2022 bleibt. Deshalb: Bleibt gesund und fahrt umsichtig.
    Danke an die WAZ Bochum für den beeindruckenden Artikel dazu (24.01.2022):


  • 2022 fängt traurig an

    Zum vierten Mal wird in Bochum ein „Ghostbike“ für einen verstorbenen Fahrradfahrer aufgestellt. Ein trauriger Anlass, zumal erst im Oktober 2021 eines verunglückten Fahrradfahrers gedacht wurde.

    Weiß lackierte Fahrräder erinnern an Fahrradfahrende, die durch einen Verkehrsunfall ums Leben kamen. Diese stehen nicht nur in Bochum, sondern weisen bundesweit darauf hin, dass das Fahrradfahren im Straßenverkehr besser geschützt werden muss. Nicht ohne Grund fahren unsichere Menschen lieber auf Fußwegen und Bürgersteigen als auf der Straße Fahrrad.

    Der genaue Unfallhergang auf der Dorstener Straße am Dienstagnachmittag ist noch ungeklärt. Soweit bekannt, rammte der Autofahrer den Radfahrer seitlich, so dass dieser dann auf der Motorhaube aufschlug und an den Folgen verstarb. Die Ursache wird weiterhin geprüft.

    Unabhängig von allen Unfallhergängen ist es wichtig, das Fahrradfahren in den Städten sicherer zu machen. Ein gutes Vorbild sind die Niederlande. Auch dort war bis in die 1970er das Auto ein beliebtes Fortbewegungsmittel. Aber nachdem viel zu viele Kinder durch den Autoverkehr ums Leben kamen, forderte die Bevölkerung von den Behörden ein Umdenken in der Verkehrspolitik. Wie gut dies gelungen ist, wissen wir alle durch Aufenthalte im Nachbarland. Dort sind die Verkehrsregelungen dem Fahrradfahren angepasst. Es gibt breite Fahrradstraßen, vom Autoverkehr gut abgetrennte Fahrradwege und für den Kfz geschwindigkeitsreduzierte Zonen. Ein Umdenken ist also machbar.

    Wie könnte das in Bochum gelingen? Mit geringem Aufwand und dabei kurzfristig durch die Einrichtung von mehr Tempo-30-Zonen. Dadurch würde der tödlich endende Aufprall von Menschen reduziert, der von Radfahrenden als auch von Fußgängern. Immerhin gibt es die Möglichkeit für Bochum, beim Modellprojekt des Deutschen Städtetags mitzuwirken, Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit außerhalb von Hauptstraßen einzuführen. Und auf Einfallstraßen und Verkehrsadern mit Tempo-50-Regelungen könnten besser gesicherte und baulich abgetrennte Radwege eingerichtet werden.

    Wie in den Niederlanden muss eine Verkehrswende aber konsequent umgesetzt und von den Behörden als auch von den Parteien mitgetragen werden. Immerhin ist die Stadt Bochum seit 2016 Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW (AGFS). Vor diesem Hintergrund steht die Stadtverwaltung Bochum den Radfahrenden als auch den Fußgängern in der Pflicht, diese Mitgliedschaft zu rechtfertigen. Erst kürzlich reichte der Bochumer RadEntscheid über 16.000 Unterschriften für eine Verkehrswende ein. Aber noch sind sich die Parteien nicht einig darin, wie sie diesen unterstützen. Bochum tut sich nach wie vor schwer damit, dem eigenen Anspruch einer fahrrad- und fußgängerfreundlichen Stadt gerecht zu werden.

    Im November 2016 wurde das erste Ghostbike im Stadtteil Wattenscheid aufgestellt. Trotz des tödlichen Unfalls eines Fahrradfahrers hat sich an der Unfallstelle im Kreuzungsbereich an der Bahnhofstraße zur Auffahrt der A 40 nichts geändert. Die Gefahrenstelle ist geblieben. Es wurde weder eine gesonderte Ampelschaltung für Radfahrende eingerichtet, noch wurden Hinweisschilder für ein vorsichtiges Verhalten an der Auffahrt zur A 40 installiert.

    Kommenden Samstag, 22.01.2022, treffen sich anteilnehmende Fahrradfahrende um 13:30 Uhr an der Glocke am Rathaus, um dem Verstorbenen von Dienstag mit einem Fahrradkorso zu gedenken. Am Unfallort an der Dorstener Straße wird zum Abschluss ein „Ghostbike“ aufgestellt, auch als ein Mahnmal für alle Verantwortlichen in der Bochumer Verkehrspolitik, sich mit mehr Engagement für eine deutliche Förderung der Infrastruktur für den Radverkehr einzusetzen.

    Die Veranstaltung findet in einem stillen und angemessenen Rahmen statt, ist behördlich angemeldet und wird von der Polizei begleitet. Auf die Einhaltung von Hygienemaßnahmen gemäß Corona-Schutzverordnung wird Wert gelegt.

  • Ghostbike in Wattenscheid „gepflegt“

    Ghostbikes müssen nicht nur aufgestellt werden, sondern brauchen auch ab und zu etwas Pflege. Beim ersten von uns (im November 2016) aufgestellten Ghostbike in Bochum-Wattenscheid (Bahnhofstraße, vor der A40-Auffahrt Richtung Essen) war viel von der weißen Farbe abgeblättert, die Schilder mit dem Unfalldatum waren unansehnlich und z.T. war es von Gebüsch überwuchert. Nach einer Säuberungs- und Sprühaktion ist es wieder deutlich als Ghostbike erkennbar. Wenn jemand eine „Patenschaft“ für ein Ghostbike übernehmen möchte, freuen wir uns natürlich sehr!

    An der Art des Radwegs oder an der Ampelschaltung (der Radfahrer wurde von einem rechts abbiegenden Sattelschlepper an der Autobahnauffahrt überrollt) hat sich auch fünf Jahre nach dem Unfall übrigens nichts geändert…

  • 3. Ghostbike in Bochum aufgestellt

    Am Sonntag, 17. Oktober 2021, brachten 35 sichtlich betroffene Menschen in einem Fahrradkorso ein sogenanntes Ghostbike vom Bochumer Rathaus bis nach Bochum-Langendreer. Die Strecke führte zunächst über die Wittener Straße, dann über den Werner Hellweg, um über die Industriestraße auf die Alte Bahnhofstraße zu gelangen. Der Gruppe voran wurde das in Weiß angestrichene Fahrrad auf einem Lastenrad transportiert. Der vorab angemeldete Zug der Fahrradfahrenden wurde polizeilich begleitet. Ein besonderer Dank der Veranstalter gilt dabei nicht nur den verständnisvollen Beamten, sondern auch dem Fahrrad fahrenden Polizisten, der bereits das Aufstellen des Ghostbikes in Bochum Gerthe 2019 anteilnehmend begleitet hat.

    Am Unfallort an der Kreuzung Alte Bahnhofstraße / Ecke Elsterstraße warteten weitere Personen, darunter auch Anwohner. Dort war am 29. September 2021 eine 60-jährige Fahrradfahrerin aus Herne mit einem abbiegenden Transporter kollidiert und am 07. Oktober 2021 an den Unfallfolgen verstorben. Der genaue Unfallhergang ist bisher nicht genau geklärt. Es fehlt an Zeugen.

    Vor Ort bekundeten Vertretungen des AFDC, der Radwende und von urbanRadeling.de nicht nur ihre Anteilnahme, sondern forderten Politik und Verwaltung dazu auf, sich mit der Situation im Kreuzungsbereich zu beschäftigen und prophylaktische Maßnahmen einzuleiten. In viel größeren, aber Fahrrad freundlichen Metropolen wie Helsinki und Oslo (2019) gab es weder getötete noch schwer verletzte Fahrradfahrende oder zu Fuß Gehende. Dort weisen entweder entsprechende Fahrbahnmarkierungen oder Schilder auf Gefahrenstellen hin, falls keine Fahrradwege bestehen. Bochum hat unendlich viel Nachholbedarf.

    Das Ghostbike wurde nahe eines Zebrastreifens zwischen einem Baumstamm und einer Laterne aufgestellt und zwar auf einer bepflanzten Baumscheibe. Dieser Ort bildet einen würdigen Rahmen.

    Dass das weiße Rad nun Mahnmal ist und dauerhaft auf die Verbesserung der Situation für Radfahrende hinweisen darf, ist dem zustimmenden Ordnungsamt zu verdanken. Diese verständnisvolle Geste der Bochumer Verwaltung zeigt deutlich, wieviel Zustimmung es gibt für eine Verbesserung der Fahrrad-Infrastruktur. Hoffen wir auf weitere gute Taten auch seitens der Politik.

Cookie Consent mit Real Cookie Banner